Zusatzpensionen sollen breiter zugänglich werden
(kunid) 68 Prozent der Berufstätigen sehen zusätzlich zur staatlichen Pension Bedarf an betrieblicher Altersvorsorge. Die geplante Reform soll den Zugang zur betrieblichen Altersvorsorge erleichtern und mehr Wahlmöglichkeiten bei der Vorsorge schaffen.
Österreich steht vor einer weitreichenden Reform der betrieblichen Altersvorsorge. Ein von der Bundesregierung auf den Weg gebrachtes Gesetzespaket soll die zweite Säule des Pensionssystems breiter aufstellen, mehr Wahlmöglichkeiten schaffen und den Zugang zu betrieblichen Zusatzpensionen erleichtern.
Ein wesentliches Element ist der geplante Generalpensionskassenvertrag. Dadurch sollen künftig mehr Beschäftigte die Möglichkeit erhalten, Kapital aus der Abfertigung NEU in eine Pensionskasse zu übertragen und daraus eine monatliche Zusatzpension aufzubauen.
Große Mehrheit sieht zusätzlichen Vorsorgebedarf
Wie groß das Interesse an einer zusätzlichen Absicherung ist, zeigt eine Befragung von Unique Research im Auftrag des Fachverbands der Pensions- und Vorsorgekassen. Demnach gehen 68 Prozent der befragten Berufstätigen davon aus, zusätzlich zur staatlichen Pension eine betriebliche Altersvorsorge zu benötigen. Nur 22 Prozent erwarten, dass die staatliche Pension für ihre finanzielle Absicherung im Alter ausreichen wird.
„Viele Menschen sehen den Bedarf an zusätzlicher Absicherung im Alter“, fasst Markt- und Meinungsforscher Peter Hajek ein wesentliches Ergebnis zusammen. Besonders ausgeprägt sei diese Einschätzung bei den unter 50-Jährigen.
Dem geplanten Ausbau der betrieblichen Altersvorsorge stehen 36 Prozent der Befragten positiv gegenüber, weitere 31 Prozent zeigen sich grundsätzlich offen.
Kapital für die Pension nutzen
Eine wichtige Rolle könnte künftig die Abfertigung NEU spielen. 45 Prozent der Befragten halten es für sehr oder eher sinnvoll, das angesparte Kapital in eine monatliche Zusatzpension umzuwandeln. Besonders aufgeschlossen dafür sind jüngere Berufstätige und Personen mit höherer Bildung.
„Wenn es gelingt, dieses Kapital stärker für eine lebenslange Zusatzpension nutzbar zu machen, entsteht ein konkreter Mehrwert für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer“, betont Andreas Zakostelsky, Obmann des Fachverbands der Pensions- und Vorsorgekassen.
Unterschiedlich sind hingegen die Erwartungen an die konkrete Ausgestaltung der Vorsorge. Für 36 Prozent stehen Sicherheit und Garantien im Vordergrund, 31 Prozent nennen steuerliche Vorteile und 29 Prozent höhere Ertragschancen als besonders wichtig.
Die geplante Reform soll deshalb unterschiedliche Modelle ermöglichen. Neben chancenorientierten Varianten mit höheren Ertragsmöglichkeiten sollen auch konservativere Angebote mit stärkerem Fokus auf Sicherheit zur Verfügung stehen.
Pensionskassen mit positiver Entwicklung
Rückenwind erhält die Diskussion durch die jüngste Entwicklung der Pensionskassen. Nach Angaben der Oesterreichischen Kontrollbank erzielten die österreichischen Pensionskassen im ersten Halbjahr 2026 eine Performance von 4,83 Prozent. Seit 1991 liegt die langfristige Performance bei durchschnittlich 5,02 Prozent pro Jahr.
Pensions- und Vorsorgekassen betreuen insgesamt mehr als fünf Millionen Anwartschafts- und Leistungsberechtigte und veranlagen ein Vermögen von mehr als 50 Milliarden Euro.
Entscheidend für den Erfolg der Reform wird nun sein, wie stark Unternehmen und Beschäftigte die neuen Möglichkeiten tatsächlich nutzen. Neben den gesetzlichen Rahmenbedingungen dürfte daher auch die Information über betriebliche Zusatzpensionen und deren unterschiedliche Ausgestaltung eine wichtige Rolle spielen.

