Kleine Schritte, höheres Risiko
(kunid) Für denselben Weg brauchen Volksschulkinder deutlich länger als Erwachsene. Der ÖAMTC rät Eltern deshalb, für den Schulweg ausreichend Zeit einzuplanen und die Strecke rechtzeitig gemeinsam zu üben.
Ein sechs- bis siebenjähriges Kind benötigt für 500 Meter unter Idealbedingungen acht bis zehn Minuten, ein Erwachsener nur fünf bis sechs Minuten. Der Grund liegt unter anderem in der Schrittlänge: Während Volksschulkinder durchschnittlich 40 bis 55 Zentimeter pro Schritt zurücklegen, sind es bei Erwachsenen 60 bis 80 Zentimeter. Auf einer Strecke von 500 Metern macht ein Kind damit rund 1.000 Schritte, ein Erwachsener etwa 700.
Hinzu kommt, dass Kinder häufiger stehen bleiben, sich umsehen, springen oder spontan die Richtung wechseln. „Dieses typisch kindliche Gangbild führt dazu, dass Kinder unvorhersehbar und damit unsicherer unterwegs sind. Dadurch sind sie im Straßenverkehr besonders gefährdet“, erklärt ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger.
Stress macht den Schulweg schwieriger
Angst, Unsicherheit, Ablenkung oder Zeitdruck können die Schrittlänge eines Kindes zusätzlich um zehn bis 30 Prozent verringern. Kinder beginnen zu trippeln, brauchen länger und haben ein höheres Stolper- und Sturzrisiko. Gleichzeitig beanspruchen Gehen, Orientierung und das Einhalten des Tempos ihre Aufmerksamkeit. Für die Beobachtung des Straßenverkehrs bleiben dadurch weniger Kapazitäten.
Besonders schwierig einzuschätzen sind Kinder für andere Verkehrsteilnehmer, wenn sie plötzlich zwischen parkenden Autos auf die Fahrbahn laufen oder ihr Tempo beim Überqueren eines Zebrastreifens verändern. In der Nähe von Schulen, Spielplätzen und Wohngebieten sollten Auto-, Rad- und Scooterfahrer deshalb mit unerwarteten Bewegungen rechnen und Geschwindigkeit sowie Abstand entsprechend anpassen.
Schulweg frühzeitig üben
Wie wichtig das Thema ist, zeigen laut ÖAMTC auch die Unfallzahlen: Im Vorjahr verunglückten 566 Kinder als Fußgänger im Straßenverkehr, zwei davon tödlich. 185 dieser Unfälle ereigneten sich auf dem Schulweg, dabei kam ein Kind ums Leben.
Der Mobilitätsclub empfiehlt, den Schulweg bereits vor Schulbeginn gemeinsam abzugehen und insbesondere Kreuzungen, Einfahrten, Baustellen, dicht am Gehweg verlaufende Radwege und andere schwierige Stellen einzuüben. Sinnvoll ist es außerdem, die Strecke an einem Werktag zu jener Uhrzeit zu testen, zu der das Kind später tatsächlich zur Schule geht. So lassen sich Verkehrsaufkommen und benötigte Wegzeit realistischer einschätzen.
Eltern sollten Kinder dabei nicht zu einem schnelleren Tempo drängen und genügend Zeit einplanen. „Es ist entscheidend, dass wir die besonderen Bedürfnisse und Verhaltensweisen von Kindern im Straßenverkehr verstehen und berücksichtigen. Nur so können wir ihre Sicherheit nachhaltig verbessern“, betont Seidenberger.

